HIIDE & SEEK: Biometrie-Geräte

Das US-Militär hat massenhaft Geräte zur biometrischen Erfassung von Menschen in Afghanistan genutzt, darunter das Handheld Interagency Identity Detection Equipment (HIIDE) und das Secure Electronic Enrollement Kit (SEEK). Einige Geräte wurden beim hastigen Abzug der NATO-Truppen zurückgelassen. Wir haben bei Analysen solcher Geräte große Mengen an biometrischen und weiteren personenbezogenen Daten gefunden. Über unsere Recherchen berichteten der BR, die New York Times und wir bei hacking in parallel.

Hintergrund

Mitte April 2021 kündigte Joe Biden den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan an. Kurz darauf beschloss der NATO-Rat den vollständigen Abzug aus Afghanistan. Der eigentliche Abzug erfolgte überstürzt, parallel zu einem Rückeroberungsfeldzug der Taliban. Im Rahmen des Abzugs blieben nicht nur Ortskräfte, welche sich auf Grund der Zusammenarbeit mit den NATO-Staaten in Lebensgefahr befanden, zurück. Alleine die USA ließen militärische Ausrüstung im Wert von circa sieben Millarden US Dollar zurück.

Unsere Recherche begann wenige Monate später, im August 2021. Verschiedene Quellen berichteten, dass die Taliban Geräte zur biometrischen Datenerfassung und Identifikation, kurz: Biometrie-Geräte, des US-Militärs erbeutet hatten. Diese Geräte wurden sowohl zur biometrischen Erfassung des lokalen Personals, als auch für Grenz- und Übergangskontrollen verwendet.

Quelle: Internet

Das Internet hatte allerlei Informationen zum militärischen Einsatz von Geräten zur biometrischen Datenerfassung zu bieten.

Im U.S. Army Commander’s Guide to Biometrics in Afghanistan wird geschildert, wie die biometrische Vollerfassung eine Unterscheidung von Guten und Bösen ermöglichen soll. Dazu wollte das Pentagon in Afghanistan 80% der Bevölkerung mit ihren Fingerabdrücken, Iriden, Gesichtern und DNA erfassen. Für Einsätze wurden zu dem eigens abgestimmte Datenbanken zusammengestellt.

Update-Prozess der Biometrics Enabled Watchlist (BEWL). Quelle: U.S. Army Commander’s Guide to Biometrics in Afghanistan.

Ziel war die Identity dominance, als Baustein zum Missionserfolg.

Identity dominance: The operational capability to achieve an advantage over an adversary by denying him the ability to mask his identity and/or to counter biometric technologies and processes.

Identity dominance soll zum Missionserfolg beitragen. Quelle: U.S. Army Commander’s Guide to Biometrics in Afghanistan.

Auch in den von Wikileaks veröffentlichten Iraq und Afghanistan War Logs gab es einige Hinweise auf Biometrie-Geräte zu finden:

  • 25.04.2007: […] Before leaving we took photos of the 14 policemen present and documented them in the HIIDE system as well. […]
  • 07.01.2008: […] The team made several inputs of the present ANP
    soldiers into the HIIDE system. […]
  • 12.12.2008: […] Both vehicles were searched and all four male passengers were checked, utilizing the ( %%% Identification Detection Equipment) system. The %%% results came back negative and the trucks were allowed to proceed […]
  • 13.12.2009: […] ABP CAPTURED 2 SUSPECTS. SUSPECTS WILL BE ENROLLED INTO HIIDE SYSTEM. […]

Interessant waren auch die German BND-NSA Inquiry Exhibits. Diese enthalten ein Memorandum of Understanding zwischen der Bundesrepublik und den USA zur Erfassung biometrischer Daten im Rahmen der ISAF. Aus diesem geht hervor, dass die von Deutschland übermittelten Daten im Automated Biometric Identification System (ABIS) des Department of Defense gespeichert und als „deutsch“ gekennzeichnet werden sollen.

Einige ISAF-Mitglieder schränkten die Übermittlung biometrischer Daten afghanischer Bürger*innen ein, weil sie befürchteten, dass diese Daten bei US-Geheimdiensten landen könnten. Die dezentrale Datendrehscheibe „ISAF ABIS“ sollte diese Bedenken ausräumen, wurde aber nie umgesetzt.

Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass die aus BND- und KSK-Kräften bestehende Task Force 47 (TF 47) mit Biometrie-Geräten des US-Militärs ausgestattet werden sollte. Die von der TF 47 erhobenen biometrischen und kontextuellen Daten sollten dann direkt oder indirekt via ISAF bzw. NATO ABIS an die Amerikaner fließen. Außerdem war die TF 47 selbst an Festnahmen von Zielpersonen beteiligt.

Ausstattung für die DEU Task Force 47. Quelle: BND Inquiry

Darüber hinaus waren Anleitungen, Trainings-Videos und weiteres Schulungsmaterial, Bücher, DoD Biometrics Task Force Annual Reports, FragDenStaat-Anfragen, Nachrichten, Bilder bei Wikimedia Commons und Posts von Nutzer*innen dieser Geräte in Sozialen Netzen zu finden.

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