Bis zum 39C3 öffne ich täglich ein Türchen zu den langweiligsten Datenlecks der letzten Jahre. Es geht um .git, .env, exponierte dev-Umgebungen und andere technisch langweilige Ursachen. Aber manchmal ist interessant, was sich hinter einem Türchen verbirgt. Alle Türchen sind hier zu finden.
Auf einem Server unter █.berlin.boanet.de war 2024 ein Symfony Profiler offen zugänglich erreichbar. Dort lagen wie üblich Konfigurationsdaten sowie Zugangsdaten für ein Ticketsystem.
Über das Ticketsystem konnten u.a. gefunden werden:
EALS-Datensätze mit personenbezogenen Daten (Name, Adresse, E-Mail-Adresse und Handynummer). EALS ist ein Elektronisches Anmelde- und Leitsystem der der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft. Es soll Anmeldeprozesse Berliner Schulen vereinfachen und Kommunikation zentralisieren.
Anmeldungen zur “WiKo” (Name, Telefonnummer, Geburtsdatum, Geburtsland und Staatsangehörigkeit, Sprachstand). WiKo ist die Berliner Willkommensklassendatenbank
Bis zum 39C3 öffne ich täglich ein Türchen zu den langweiligsten Datenlecks der letzten Jahre. Es geht um .git, .env, exponierte dev-Umgebungen und andere technisch langweilige Ursachen. Aber manchmal ist interessant, was sich hinter einem Türchen verbirgt. Alle Türchen sind hier zu finden.
Über die letzten Jahre hat sich eine kleine Sammlung technisch langweiliger Datenlecks im Telco-Ökosystem ergeben. Ursache dafür war (oder ist) eine Mischung von .git-Ordnern, .env-Dateien und Symfony Profilern. Belohnt wurde das Stöbern mit Beschäftigtendaten, Sim Inventories, Ausweiskopien und Hotline-Aufzeichnungen.
Deutsche Telekom
Schon Jahre her und relativ wenig Impact hatten drei Lecks bei der Telekom.
Unter https://gard.telekom.de/█/Dashboard.jspa wurde auf einen “GARD Webex Teams Ankündigungs-Chat” verwiesen. Dieser konnte über einen Kurzlink https://eurl.io/#████ betreten werden, auch ohne Telekom-Mitarbeiter zu sein. In dem dazugehörigen Webex-Chat waren Name, Fotos und E-Mail-Adressen von knapp 600 Beschäftigten zu sehen.
Unter https://█.de/.git/config war ein deploy token für gitlab.devops.telekom.de zu finden. Damit konnte aber nur dieses Repository gecloned werden. Der weitere Zugriff über die gitlab-API war eingeschränkt.
Bei https://nwkr-intern.telekom.jobs waren dazugehörige env- und env.local-Dateien zu finden. Darin enthalten: API keys, SQL-Zugangsdaten sowie Zugangsdaten für die Webseite.
Lycamobile ist ein MVNO, der in fast 20 Ländern aktiv ist und mehr als 15 Millionen Kund*innen versorgt. Unter verschiedenen IP-Adressen waren und sind git-Repositories zugänglich, die offenbar zu Lycamobile gehören.
Eine der Dateien enthielt einen gültigen API key für Complycube, einem Dienst für KYC und identity verification. Damit konnte u.a. auf Bilder von Ausweisen zugegriffen werden.
Ein argentinischer Ausweis, der aus der Complycube-API gefallen ist
Auf diverse Nachrichten über verschiedene Kanäle hat Lycamobile bisher nicht angemessen reagiert. Wer sucht, findet leicht weitere git-Repositories.
Variatel
Variatel ist ein MVNO, deutlich kleiner als Lycamobile und nur in Deutschland tätig, im Netz der Deutschen Telekom. Unter http://█.█.█.█/.env leakte im März/April 2023 eine env-Datei. Diese Datei enthielt Zugangsdaten für einen Datenbank-Server:
Dieser Datenbank-Server war unter stagebkend.variatel.de im Internet zu erreichen. Die gleichen Zugangsdaten wurden im Produktivsystem unter ec2-█.eu-central-1.compute.amazonaws.com genutzt. Auch dieser Datenbank-Server war einfach so zu erreichen.
Was tut dieser Server am Internet?Neben Namen, Adressen und natürlich Telefonnummern, gab die Datenbank auch IMSI, PINs und PUKs her
Über diesen Zugang konnte mittels pg_read_file eine aktuellere env-Datei ausgelesen werden. Diese enthielt einen gültigen API key für mobbeel, einem Dienst für KYC und identity verification.
Wer, wann, wie lange, mit wem. All das geht aus den Call Data Records hervor
Weiterhin gab es eine Datenbank readme_to_recover mit einem Hinweis darauf, dass Daten von dem Server kopiert wurden.
Vor uns war jemand anderes auf diesem Server gewesen
Auf mehrere Meldungen hat Variatel nicht geantwortet. Unter http://stagebkend.variatel.de/.git/ wird der Quellcode der Anwendung weiterhin zur Verfügung gestellt.
Ein Skript war anfällig für eine SQL-Injection. Passwörter wurden mit dem veralteten Hashverfahren md5 und ohne Salt gespeichert. Sie bestanden oft aus dem ersten Buchstaben des Vornamens und dem Nachnamen.
Diese Zugangsdaten erlaubten den Zugriff auf ein Portal zur Auftragserfassung, ein zweiter Faktor wurde beim Login nicht verlangt. In dem Portal konnten u.a. Stammdaten von Nutzer*innen und Kund*innen, Rufnummern und SIM-Seriennummern eingesehen werden.
git-Repository, SQL-Injection, md5 und Mangel an 2FA erleichtern den Zugriff auf das System zur Auftragserfassung
Handystar / Mobilezone
Mobilezone betreibt den Teleshopping-Sender Handystar. Auch hier war 2024 ein git-Repository abrufbar.
Ein Skript war anfällig für eine SQL-Injection. Passwörter wurden mit dem veralteten Hashverfahren md5 und ohne Salt gespeichert. Das Passwort eines Nutzers konnte in wenigen Sekunden wiederhergestellt werden.
Diese Zugangsdaten erlaubten den Zugriff auf ein Portal zur Bestellabwicklung, ein zweiter Faktor wurde beim Login nicht verlangt. In dem Portal konnten u.a. Stammdaten von Kund*innen eingesehen und Aufzeichnungen der Bestell-Hotline abgehört werden.
git-Repository, SQL-Injection, md5 und Mangel an 2FA erleichtern den Zugriff auf das System zur BestellabwicklungDaten von Kund*innen wurden erwartetAufzeichnungen von Anrufen bei der Hotline wurden nicht erwartetFür mehrere Tage waren Aufgrund technischer Probleme nur Online-Bestellungen möglich
Das Unternehmen beauftragte eine größere Kanzlei zu prüfen, ob Betroffene benachrichtigt werden müssen: “Eine Benachrichtigung der betroffenen Personen gem. Art. 34 DSGVO ist nach unserer Auffassung nicht erforderlich.”
esim.me / TelcoVillage
TelcoVillage vertreibt unter anderen “Hardware-eSIMs” ‒ SIM-Karten, die ältere Geräte eSIM-fähig machen. Auch hier war 2025 ein git-Repository abrufbar.
Manche der Dateien enthielten gültige root-SSH-Zugänge.
<?php
...
if (!($resource=@ssh2_connect("█.█.█.█",22))) {
echo "[FAILED]<br />";
exit(1);
}
...
if (!@ssh2_auth_password($resource,"root","█████████████")) {
echo "[FAILED]<br />";
exit(1);
}
...
Das ging unerwartet schnell.
WEtell / amiva
Unter https://teststage.wetell.de/_profiler/ war 2024 ein Symfony Profiler offen zugänglich erreichbar. Über diesen konnten u.a. Formulareingaben mit Zugangsdaten im Klartext sowie Konfigurationsdaten eingesehen werden.
Per Suche nach method: POST und URL: anmelden filtern wir nach interessanten LogsInteressante Logs beinhalten Zugangsdaten im Klartext
In dem Repository waren viele php-Dateien zu finden. Eine der Dateien enthielt gültige Zugangsdaten für eine Airalo-API. Airalo ist ein großer eSIM-Händler. Damit konnten u.a. vergangene eSIM-Bestellungen einschließlich QR-Code abgerufen werden.
Bis zum 39C3 öffne ich täglich ein Türchen zu den langweiligsten Datenlecks der letzten Jahre. Es geht um .git, .env, exponierte dev-Umgebungen und andere technisch langweilige Ursachen. Aber manchmal ist interessant, was sich hinter einem Türchen verbirgt. Alle Türchen sind hier zu finden.
Code24 ist ein Dienst, der die Rückgabe verlorener Gegenstände ermöglichen soll. Gegenstände müssen mit einem individuellen Code markiert werden. Wird ein markierter Gegenstand gefunden, kann die Eigentümerin per SMS oder E-Mail benachrichtigt werden.
Das funktioniert aber nur, wenn rechtzeitig bezahlt wird, denn bezahlt wird dieser Dienst für ein oder mehrere Jahre im Voraus. Ist die Laufzeit abgelaufen, können (oder wollen) Fundmeldungen nicht mehr weitergeleitet werden.
Nach Ablauf der Laufzeit werden Fundmeldungen nicht mehr weitergeleitet
Seit mehr als drei Jahren liegt bei Code24 eine env-Datei mit Umgebungsvariablen herum. Das Leck wurde mehrfach gemeldet, auch beim Thüringischen Datenschutz. Seither wurden die Zugangsdaten wenigstens einmal rotiert. Die env-Datei liegt aber weiterhin herum und mit älteren Zugangsdaten kann auch noch immer auf eine Datenbank mit Codes und Daten von Kund*innen zugegriffen werden.
Bis zum 39C3 öffne ich täglich ein Türchen zu den langweiligsten Datenlecks der letzten Jahre. Es geht um .git, .env, exponierte dev-Umgebungen und andere technisch langweilige Ursachen. Aber manchmal ist interessant, was sich hinter einem Türchen verbirgt. Alle Türchen sind hier zu finden.
Medbill ist eine Abrechnungs-Plattform für Ärzt*innen.
Der Schutz Ihrer Daten hat für uns oberste Priorität. Wir setzen modernste Sicherheitstechnologien ein, um Ihre Informationen bestmöglich zu schützen und sicher aufzubewahren.
Konfigurationsdaten und Quellcode der Plattform waren 2022 offen zugänglich. Die Daten ermöglichten Zugang zu einem SuperAdmin-Account von https://app.medbill.de/ und den Zugriff auf ca. 40.000 Rechnungen. Aus den Rechnungen gehen Namen und Adressen von Patient*innen sowie abgerechnete Leistungen und Diagnosen hervor.
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Es geht los mit der Ferrari Academy. Betroffen waren 2022 nicht besonders viele Menschen. Dafür gab es .git und .env mit Zugangsdaten, eine exponierte dev-Umgebung sowie directory listings und herunterladbare Backups von php-Dateien.